Hans Urs von Balthasar - Gottbereites Leben Der Laie und der Rätestand. Nachfolge Christi in der heutigen Welt
Buch

Gottbereites Leben

Durch die von Hans Urs von Balthasar beabsichtigte Neuausgabe seiner Schrift «Der Laie und der Ordensstand» (1948) – mit dem von ihm gewünschten neuen Titel «Der Laie und der Rätestand» sowie den entsprechenden Anpassungen im Text – werden in diesem Band einige seiner frühen Arbeiten zum Thema des Laien in der Kirche, insbesondere des geweihten Laien, mitveröffentlicht.

Für Balthasar war und blieb die Nachfolge Christi gerade in der Form der evangelischen Räte ein innerstes und immer neu umkreistes Anliegen; sein ganzes umfangreiches Werk ist von diesem Gedanken her mitbedingt und im letzten pastoral darauf ausgerichtet. Diesen Texten entströmt große innere Freude, eine tiefe Liebe zur Wirklichkeit, sie eröffnen einen Weg zum Quellpunkt der christlichen Nachfolge.

Zu diesem Buch

Hinführung: GOTTBEREITES LEBEN. ÜBER DEN SINN DES RÄTELEBENS HEUTE (1971)
1. «Er rief zu sich, die er wollte»
2. Christologische Grundlegung
3. Das Räteleben
4. Unterscheidung der Lebensformen

ERSTER TEIL
DER LAIE UND DER RÄTESTAND (1948)

Vorbemerkung
Einleitung
1. Grenzen der Katholischen Aktion
2. Die Lehre der Geschichte
3. Die Forderungen der Gegenwart
4. Gestaltungen
5. Die Frau und der Rätestand
6. Schluß

ZWEITER TEIL
NACHFOLGE CHRISTI IN DER HEUTIGEN WELT

I. WESEN UND TRAGWEITE DER SÄKULARINSTITUTE (1956)
1. Der Grundgedanke
2. Der Laie in der heutigen Kirche
3. Analogie des Rätestandes
4. Tragweite für eine Theologie der Kirche
5. Der Laie im Rätestand und der Laie im Ehestand

II. ZUR THEOLOGIE DES RÄTESTANDES (1964)
1. Die Spannweite der theologischen Bewertung heute
2. Das Evangelium und die Räte
a) Theologie der Stände
b) Zum Begriff «Rat»
c) Die Mehrzahl der Räte
d) Die einzelnen Räte
e) Rat und Amt. Das Unübersehbare
3. Die Räte und das Menschheitsdenken
4. Die Lage der Gegenwart

III. EVANGELISCHE RÄTE IN DER HEUTIGEN WELT? (1966)
1. Dringlichkeit der Frage
2. Biblische Grundlagen
3. Ein paar Folgerungen
4. Die Weltgemeinschaften

IV. LAIENBEWEGUNGEN IN DER KIRCHE (1987)
1. Zur Lage der katholischen Laienbewegungen heute
a) Vom Ursprung der Laienbewegungen in der Kirche
b) Die Laienbewegungen und die kirchlichen «Stände»
c) Gründe für die Entfaltung von Laienbewegungen heute
d) Spezifische Sendung der Laien in der Vermittlung zwischen Kirche und Welt
2. Fragen der Spiritualität von Laienbewegungen
a) Vielfalt der Sendungen innerhalb der Glaubeneinheit
b) Forderungen die Spiritualitäten betreffend
c) Die Bewegung und der Einzelne
d) Die Bewegung und die Kirche
e) Die Bewegung und die Welt
f) Bewegungen im Austausch

Wie kann ein endlicher Mensch, der von sich aus keine unendlichen Akte zu Gott hin setzen kann, in die «Form Christi» eintreten, um an der Fruchtbarkeit seines Werkes zu partizipieren? Die Antwort ist gestuft: grundsätzlich durch den Glauben, der auf das eigene Maß der Wahrheit und ihrer Beurteilung verzichtet und wahr sein lässt, was für Gott wahr ist; durch die Taufe, in der er seine Existenz in das Ereignis von Tod und Auferstehung Jesu hineingibt und durch Gottes Tat zu einer Funktion dieses Ereignisses werden lässt (Rom 6,3ff.); durch die Teilnahme an der Eucharistie, womit er sich leib-seelisch dem Herrn überantwortet, als ein «Glied» an dessen fruchtbar-verteiltem Leib (1 Kor 6,13-20; 10,16ff.; 11,26; 12,12ff).

Aber es gibt, in einer gewissen Absetzung von dieser allgemeinen Antwort, eine zweite, die im «Leben der Räte» besteht, und wodurch der Akt der Selbstenteignung im Glauben und der Selbstübereignung an Gott eine vom Menschen her unüberbietbare Vollständigkeit erhält. Dafür ist zunächst wesentlich, dass keiner diesen Akt aus eigenem Verfügen setzen kann und darf, sondern aus einem besonderen Verfügt-, Berufen- und Begnadetsein; sonst würde der Akt sich schon in seiner ersten Setzung widersprechen. Man kann ja nicht im Ernst über sein totales Verfügtwerden verfügen, sondern sich nur dahinein — allerdings bewusst, in Liebe, einwilligend — verfügen lassen. Diese Einsicht liegt dem gesamten Entwurf der ignatianischen Exerzitien zugrunde. Sie wird bewiesen durch die Existenz Marias, mit der das Leben des Neuen Bundes anfängt. Maria wird zur Mutter des menschwerdenden Sohnes verfügt, und die ihr geschenkte Gnade macht sie fähig, ein grenzenloses Jawort an Gott zu sprechen, das ihr voll aktuierter Glaube ist (Lk 1,45; 11,28), der sich aber nicht nur passiv-resigniert, sondern mit der aktiven Bereitschaft der «Magd» für die Aktion des Heiligen Geistes anbietet, für etwas, das sie aus sich nie zu leisten vermocht hätte. [17]